Millionen-Wette um Brexit

Veröffentlichen: 21.06.2016

Wer in den letzten Jahren die Poker-Szene verfolgt hat, wird um einen Namen kaum herumgekommen sein: Tony G. Der litauische Poker-Star war vor allem für eines bekannt: sein großes Maul. Mittlerweile hat Tony G. die Karten weggepackt und ist heute, unter seinem bürgerlichen Namen Anastasas Guoga für Litauen Mitglied des Europäischen Parlaments. Aber der heißblütige Zocker in Guoga bricht immer wieder in im durch. So auch vor einigen Tagen, als er mittels eines offenen Briefes an den britischen Parteichef der nationalistischen Anti-EU Partei UKIP Nigel Farage, diesem eine Wette über eine Million Pfund anbot, dass Großbritannien Teil der EU bleiben wird. Farage hatte zuvor mitgeteilt, dass er bereits ein tausend Pfund auf einen Brexit- also den Austritt der Briten zu wetten. Guoga will sich mit der Wette übrigens nicht bereichern. Sein Vorschlag: der Gewinn soll an eine wohltätige Einrichtung gehen.

Frivolität

Von Nigel Farage war zum Vorschlag nichts zu hören. Wohl aber von einem Sprecher der Partei. Er nannte es Frivolität, die wohl hart arbeitende Menschen wenig beeindrucken würde. Es sei „schön“, dass die europäische Elite so viel Geld zum „herumschmeissen“ habe. Indirekt unterstellten sie Guoga, dass er hier EU-Gelder und damit Steuergelder der Bürger zur Wette anbiete. Auch darauf wusste aber Guoga eine Antwort. Er gab an, sein Gehalt als Mitglied des Europäischen Parlaments komplett zu spenden. Die Wette laufe mit seinem eigenen Geld, dass er als Unternehmer verdient habe. Außerdem gäbe es nur Gewinner – denn der Gewinn ginge ja an eine Charity.

Schlechte Wette für Farage

Rein wettechnisch wäre es jedenfalls eine schlechte Wette für Nigel Farage. Denn bei den Buchmachern liegt der Brexit viel weiter hinten, als das in den Medien dargestellt wird. Auf den Verbleib Großbritanniens in der EU bekommt man Quoten um etwa 1,25 bis 1,3  – auf einen Brexit hingegen bis zu 4,0. Die Bookies sind sich also recht sicher wie es ausgehen wird. Am Donnerstag entscheiden aber die Briten – und trotz eines klaren Favoriten schaut Europa gebannt Richtung Insel.