Online Casinos und der Brexit

Veröffentlichen: 29.06.2016

Für viele kam der Ausgang des britischen Referendums über den Verbleib in der Europäischen Union überraschend. Das erkennt man auch, wenn man sich die Quoten der Wettanbieter für den Brexit an den Tagen vor der Abstimmung angeschaut hat. Damals war ein klarer Trend zum Verbleib zu erkennen: die Quoten für ein „Remain“ sind in den letzten Tagen vor der Abstimmung stark gefallen, für den Brexit gab es zunehmend mehr Geld.

Aber die Glücksspielindustrie, die in Großbritannien besonders stark vertreten ist, steht jetzt vor einem gewaltigen Problem. Denn viele der großen Online Casino Anbieter haben ihren Sitz im britischen Gibraltar, einige andere auch auf der Isle of Man. Das hatte bisher den unschätzbaren Vorteil, dass man europäischen Spielern eine EU-Lizenz für Glücksspiel anbieten konnte – ein klares Qualitätsmerkmal, dass viele Spieler schätzen.

33 Casino Firmen haben ihren Sitz in Gibraltar: sie sind dort einer der wesentlichen Faktoren für die lokale Wirtschaft. Nur der Tourismus ist ähnlich wichtig. 3000 Arbeitsplätze gehen direkt, 1000 indirekt auf die Glücksspielindustrie zurück. So war es auch kaum verwunderlich, dass man in Gibraltar zu 96 Prozent für einen Verbleib in der Europäischen Union gestimmt hat. Hier ist der freie Zugang zum Markt und auch der Grenzverkehr mit Spanien besonders wichtig.

Bislang haben sich noch keine Unternehmen offiziell geäußert, aber Branchenkenner vermuten, dass einige der Unternehmen einen Umzug nach Malta oder Zypern in Erwägung ziehen. In diesen EU-Staaten erhalten die Casinos nämlich auch weiterhin eine Casino Lizenz die in der Europäischen Union ausgestellt wird. Viele andere Insider äußern sich aber auch abwartender. Noch steht schließlich nicht fest, wie die neuen Regelungen zwischen Großbritannien und der EU sein werden. Möglich ist auch, dass viele Firmen einfach einen weiteren Firmensitz innerhalb der EU anstreben werden, um so eine britische und eine europäische Glücksspiellizenz zu haben. Denn die Briten machen 33 Prozent des EU-Glückspielumsatzes aus.

Eher unwahrscheinlich ist, dass sich Gibraltar von London abwendet und versucht Teil Spaniens zu werden. Aber sollte Schottland und vielleicht sogar Nordirland einen eigenen Weg gehen, dann könnte auch dieses Thema brisant werden.

Für die Spieler, die in Casinos spielen, bleibt zumindest mittelfristig alles wie gehabt. Denn ein Austritt aus der Europäischen Union dürfte wohl erst zwei Jahre nach der Aktivierung des Paragraphen 50 des Lisabonn-Vertrags (Austritt aus der EU) erfolgen: und diesen Paragraphen wollen die Briten nicht sofort aktivieren. Aber spannend wird es allemal!